Verzeichnis der evangelischen Pfarrer von Vienenburg seit 1545

1545 -

Nicolaus Kayser

Johannes Mebesius

Joachismus Reitmann

Conradus Stein

Casparus Hardenberg

Petrus Tuckermann

Georg Most

Johann Gottfried Fricke

 

1711 - 54

Heinrich Stephanus Trautmann

Karl Christian Wewetzer

Johann Christian Volger

Franz Benjamin Rudolphi

Johann Gottlieb Haarmann

 

1835 - 43

Wihelm August Schimmeyer

 

1843 - 51

G.A.W. Oberdieck

 

1851 - 69

Hermann August Gottfried Danert

 

1859 - 78

Carl Beyer

 

1878 - 96

Wilhelm Otto Ferdinand Twele

 

1896 - 1919

Karl Rudolf Friedrich David Segger

 

1920 - 51

Arthur Ehrhorn

1950 Wilhelm Blöhbaum (Hpr)

1951-52 Hans-Jürgen Kalberlah

 

1952 - 59

Joachim Kiel

1957-58 Karl Haufe

 

1960 - 66

Wilhelm Sonnemann

1963-67 Herbert Thiede

 

1966 - 67

Werner Humberg (Hpr)

 

1968 - 77

Johannes Stosch

1970-79 Eugen Nehlep

 

1978 - 81

Gerhard Hinrichs

 

 

1981 -

Gerhard Brinkmann

1981-87 Andreas Koch

1988-94 Heinz-Otto Schlicht

1994-2008 Johannes Lehmann

2008 -Dagmar Hinzpeter

 

Aus der Kirchengeschichte von Vienenburg

(geschrieben anlässlich des 250 jährigen Kirchenjubiläums 1995, von Pfarrer G. Brinkmann)

 

 

Bei der Suche nach Material zur Vienenburger Kirchenbaugeschichte im Landeskirchlichen Archiv in Braunschweig fand ich durch Zufall einen Visitationsbericht von Superintendent Carl Beyer aus dem Jahr 1861, der aus einer dem ursprünglichen Geschehen näherliegenden Zeit Interessantes über die Geschichte unserer Kirche geschrieben hat. Daraus einige Abschnitte:

 

„Die Kirchen zu Vienenburg und Lochtum haben sicher seit 1545, und wahrscheinlich schon früher, einen Prediger gehabt, der an  beiden Orten den Gottesdienst verrichtete. Von 1545 bis 1842, wo diese Verbindung durch die Bildung zweier getrennter Parochien aufhörte, haben 14 Prediger nacheinander diesen Dienst versehen. Der Tradition nach hat Lochtum früher ein Pfarrhaus gehabt; es steht daher zu vermuten, dass die dortige Kirche früher gestifet ist.

 

Wann die Kirche zu Vienenburg gestiftet ist, lässt sich leider nicht ermitteln, da am 06. November 1783 die Pfarrgebäude samt der Pfarrregistratur abgebrannt sind.

 

Die Tradition in betreff der Stiftung ist zwiefach:

Die Einen behaupten, (und so auch der hier geborene 64 jährige Privatlehrer Leonhard, dessen Vater und Großvater hier Küster und Schullehrer gewesen), daß die jetzige um 1750 erbaute Kirche die erste hier gestiftete Kirche ist, und daß bis dahin die lutherischen Bewohner Vienenburgs ihren Gottesdienst in der vor etwa 40 Jahre abgebrochen Kirche des bereits früher zerstörten, zwischen Vienenburg und Lochtum gelegen gewesenen Dorfes Klein Lochtum abgehalten haben.

Nach Meinung Anderer ist die jetzige Kirche zu Vienenburg bereits die dritte, die erste soll von Lehm, die zweite von Holz erbaut gewesen sein. Ich möchte mich für die letzte Meinung entscheiden.“

 

„Der Bau der jetzigen Kirche zu Vienenburg ist um 1750 geschehen. Der glückliche Fortgang desselben soll besonders durch die eifrigen Bemühungen des derzeitigen Pastors Trautmann, dessen Bild und Leichenstein sich noch in der Kirche befindet, gefördert worden sein. Man erzählt, wie derselbe die am Bau Arbeitenden bei ihrem Werke angefeuert hat; je er soll Reisen unternommen haben, um Gaben zum Bau (zu welchem das Kloster Wöltingerode die Mauersteine geschenkt hat) zu sammeln. Noch jetzt ist sein Gedächtnis in der Gemeinde lebendig.“

 

Als Anlage zu diesem Visitationsbericht ist eine längere Beschreibung von dem genannten Privatlehrer Leonhard aus dem Jahre 1860 beigefügt, der zunächst einiges über die Kirche zu Klein Lochtum schreibt:

 

 

„Die alte Kirche mit dem an derselben befindlichen Friedhofe stand unter dem Namen Klein Lochtum noch etwa vor 40 Jahren eine Viertelstunde von Vienenburg ganz isoliert von Wiesen und Ländereien umgeben, ein Eigentum einiger hiesiger Einwohner, welche dieselben noch als ihre Ländereien bezeichne.

Sie hatte die Form eines Oblongus mit einem kleinen Anbau nach Osten, in welchem sich der Altar befand, im Ganzen ungefähr 40 Fuß Länge und 24 Fuß Breite. Das Mauerwerk der Kirche und des an der Giebelseite bis oben hin mit Efeu berankten Thurms bestand aus kleinen Bruchsteinen.

 

Der Thurm hatte ein Giebeldach und war wie die Kirche mit Ziegeln gedeckt. Man trat einige Stufen hinunter in dieselbe ein.

Bänke waren vor 45 Jahren nicht mehr vorhanden; nur an der einen Längenseite nach Norden befand sich noch die Prieche, und dieser schräg gegenüber nach dem Altare die Kanzel. ….

Alte Leute hiesigen Ortes wollen sich erinnern, dass in derselben noch vor 50 Jahren, obgleich die hiesige neue Kirche schon über 50 Jahre früher erbaut war, am 2. Pfingsttag Gottesdienst gehalten wurde und daß viele wegen Mangel an Raum vor der Kirche zu stehen genötigt waren.

 

Die Verstorbenen hiesigen Ortes wurden bis 1815 dort beerdigt, in welchem Jahr auf Antrag und Vermittlung des damaligen Superintendenten Haarmann nahe von Vienenburg vom Acker der Domäne ein 4 Morgen enthaltender Kirchhof angelegt und eingeweiht wurde, und ließ derselbe etwa vor 40 Jahren die alte Kirche abbrechen, deren Material an die eine halbe Stunde von hier entfernte Domaene zu Wiedelah verkauft wurde.“

 

Dann beschreibt Leonhard die neue Vienenburger Kirche, die seiner Meinung nach um 1750 erbaut wurde. Sie hatte kleinere Ausmaße als die heutige und noch keine Kreuzform (Erweiterung mit Vierung erst 1912).

 

„Das Innere der Kirche bildet ein von Stützsäulen freier, von 3 ¾ Fuß starken Mauern eingeschlossenes Rechteck. Der Boden des Chores liegt ¾ Fuß höher und hat zu beiden Seiten rechts und links vom Altare 2 Reihen Stühle für die Mannspersonen. Links vom Haupteingang befinden sich die mit Rückenlehnen versehen Bänke für die Frauenzimmer, auf der einen Seite 13 auf der anderen 10. Zwischen diesen hindurch führt ein 5 ½ Fuß breiter Gang durch eine Thür unter den Thurm, der an der Nordseite einen Eingang hat.“

 

Und über unseren Kanzelaltar:

 

„Der steinerne 7 Fuß lange mit einem 2 Stufen hohen hölzernen Vortritte versehene Altar, hat an der hinteren Seite einen fest bis an die Decke reichenden schön verzierten Aufbau, in dessen Mitte, gerade über dem Altare, sich die Kanzel befindet,

 

Die Verzierungen des Hinterbaus bestehen in künstlichem, recht gut gearbeiteten Schnitzwerk, in 4, an jeder Seite 2, in einiger Entfernung übereinander stehenden marmorierten mit vergoldeten Sockel und Knauf versehenen Säulen, deren obere etwas kleiner sind, neben jeder ein Evangelist, ganz oben (auf der Decke der Kanzel) unser Herr am Kreuze. Die Hauptfarbe des Anstrichs ist rein weiß, an passenden Stellen mit Vergoldung, die Füllungen lilla.

In gleicher Höhe mit der Kanzel befindet sich auf jeder Seite derselben eine Prieche, die eine für die Familie des Predigers, die andere für die Beamten.

Mit der Brustwehr dieser Prieche läuft vertical eine getäfelte eben so, wie oben angegeben, angestrichene Bretterwand, die rechts und links vom Altare eine Thür zum Umgange um denselben hat, und so hinterwärts einen 33 Fuß langen und etwa 4 bis 5 Fuß breiten abgesonderten Raum bildet, in welchem sich an der eine Seite der einst große Beichtstuhl, durch dessen Fenster das ganze Innere der Kirche zu übersehen ist, und die Treppe zur Kanzel befinden.

Gegenüber an der Thurmwand erblickt man 2 übereinanderliegende mit ……Stühlen und vom Thurme her mit Eingängen versehene Priechen, von 33 Fuß Länge und 15 Fuß Breite.“

 

Soweit einige Ausschnitte aus den Aufzeichnungen von Leonhard. Es wird deutlich, dass das Innere der Kirche doch ein ganz anderes Bild bot als das der Kirche nach dem Umbau von 1912 . Die Priechen (=Emporen) waren an der Ost- und Westseite angebracht, so dass die Fenster nicht, wie dann stellenweise später, durch Seitenemporen verdeckt waren. Der wesentlich kleinere Raum wird dem barocken Zeitgeschmack entsprechend recht hell und lichtdurchflutet gewirkt haben. Diesen wiederherzustellen war mit Ziel der 1976/77 erfolgten Innenrenovíerung unserer Kirche, bei der die baufällig gewordenen Seitenemporen und die Doppelempore an der Westseite entfernt wurden. Störend allerdings mag auf den heutigen Betrachter die moderne Orgelempore sein, die auch dem den barocken Charakter des Kanzelaltars aufnehmenden Stil der 1985 erbauten Orgel entgegensteht. Eine Umgestaltung der Emporenbrüstung ist geplant.

 

 

Innenraum vor 1912