Im Chorraum der Kirche ist der barocke Kanzelaltar als Mittelpunkt  des Gesamtraumes zu betrachten. Er wurde von Pastor Heinrich Stephan Trautmann (1711-54 Pfarrer in Lochtum und Vienenburg) und seiner Frau gestiftet und 1745 fertig gestellt.  Über die Künstler ist nichts bekannt. Sie standen wohl der Goslarer Bildschnitzerfamilie Lessen nahe.

Dargestellt sind die vier Evangelisten mit ihren sie kennzeichnenden Symbolen (Markus mit dem Löwen, Johannes mit dem Adler, Lukas mit dem Stier, Matthäus mit dem Engel, der den Kelch hält).  Sie weisen als Zeugen auf das Zentrum des Glaubens: Jesus Christus,  der zum einen als der Gekreuzigte über der Kanzel und an der Spitze der Altarwand als der Auferstandenen zu sehen ist.

Auffällig ist auf der Kanzelwand das Motiv der Muschel. Es erscheint neunmal (3x3). Die Muschel ist in der Barockzeit ein beliebtes Symbol für die verborgene Herrlichkeit des christlichen Glaubens. Sie erinnert an das Gleichnis Jesu von der kostbaren Perle (Mt. 13,45), in dem die Suche nach dem Reich Gottes als entscheidende Lebenshaltung umschrieben wird. An der Stirnseite der Kanzel wird dies Bedeutung in besonderer Weise unterstrichen: Die Muschel dort ist geöffnet. Zwischen den beiden geöffneten Schalen ist als Perle das Monogramm Christi XP (Chr) und daneben links das A als Anfangsbuchstaben und rechts das O als Endbuchstaben des griechischen Alphabets gestaltet.  Erinnert wird damit an Offb. 21,6: Christus als Anfang und Ende.

In der Verbindung mit dem Kanzelaltar wurde der Taufengel geschnitzt. Er trägt in der linken Hand ein Spruchband mit dem Text aus Mk. 10: Lasset die Kinder zu mit kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.  In der rechten Hand hält er die Muschel mit dem Wasses des Lebens. Er wird sicher ursprünglich in der Achse vor dem Kanzelaltar seinen Ort gehabt haben, war dann lange Zeit in der Mitte des Ganges von der Eingangstür her in Gebrauch. Das Glasbild von der Kindersegnung gegenüber der Eingangstür betont diesen Ort. Bei der Kirchenrenovierung von 1976/77 wurde der Taufengel an der Südseite der Vierung angebracht. Bei dieser grund-legenden Renovierung wurde auch der Kanzelaltar verändert. Der Altar wurde von der Kanzelwand abgerückt, um so für den Liturgen die Feier des Gottesdienstes zur Gemeinde hin zu ermöglichen.

(Gerhard Brinkmann, Pfarrer)